Die Frage nach dem Umfang deiner Bachelorarbeit ist entscheidend für deine gesamte Arbeitsplanung bzw. für dein Forschungsdesign.

Zunächst musst du natürlich die Angaben deiner Studienordnung sowie die Richtlinien des betreuenden Lehrstuhls vor Augen haben. Hier können zwischen einzelnen Studiengängen große Unterschiede auftreten. In einigen Fachrichtungen sind 30 Seiten als Obergrenze angegeben, wohingegen andere Institute Arbeiten mit weniger als 50 Seiten gar nicht erst annehmen.

An diesem Punkt hast du keine großen Einflussmöglichkeiten auf den Umfang deiner Bachelorarbeit, sondern musst die Regelungen akzeptieren. Allerdings stellen die Seitenangaben immer nur Richtwerte dar. Es gibt also stets einen gewissen Kulanzrahmen. Dieser beträgt im Allgemeinen etwa plus / minus zehn Prozent der definierten Seitenanzahl.

Fordert dein Professor also 50 Seiten Fließtext von dir, dann kann die Gesamtlänge der Bachelorarbeit zwischen 45 und 55 Seiten liegen. Du siehst also, dass die Länge deiner Bachelorarbeit zu erheblichen Teilen von dir abhängt. Nachfolgend erfährst du, nach welchen Kriterien du den Umfang deiner Arbeit bemessen solltest.



Einfluss der Bearbeitungsdauer auf den Umfang

Bei der Entscheidung darüber, wie viele Seiten du im Rahmen deiner Bachelorarbeit einreichen möchtest, stellt die veranschlagte Bearbeitungszeit natürlich eine wichtige Erwägungsgröße dar.

Leider begehen hier viele angehende Absolventen den Fehler, für jede Seite dieselbe Bearbeitungszeit zu kalkulieren. Bedenke jedoch, dass es deutlich schneller geht, fünf weitere Seiten zu schreiben, wenn du zum Thema bereits 45 Seiten verfasst hast, also noch zu Beginn deiner Arbeit. In der Regel geht dir das Erstellen deiner Bachelorarbeit mir zunehmenden Forschungsfortschritt leichter von der Hand.

Fixiere dich daher nicht frühzeitig auf eine möglichst geringe Seitenanzahl, nur um Zeit einzusparen!

Das Verhältnis von Umfang und Bearbeitungsdauer deiner Bachelorarbeit lässt sich ohnehin nicht nur auf die beiden genannten Variablen reduzieren.

Wichtig ist zum Beispiel auch, ob du eine theoretische oder eine empirische Bachelorarbeit verfasst. Denn in letzterem Fall kannst du relativ zügig einige zusätzliche Seiten produzieren, indem du dein statistisches Anschauungsmaterial vergrößerst oder bereits verwendete Statistiken und Diagramme etwas ausführlicher auseinandersetzt.

Im Falle einer rein theoretischen Arbeit ist es aufgrund des konstant hohen Abstraktionsniveaus jedoch um einiges anspruchsvoller, mehr Text herzustellen.


Seitenzahl, Wortanzahl und Zeichenanzahl nach Bearbeitungszeit

Wenn du den Umfang deiner Bachelorarbeit messen möchtest ist es eigentlich nicht ratsam, dies über die Angabe der Seitenzahlen zu tun.

Je nachdem welche Zitierweise (amerikanische oder Oxford-Variante) du verwendest, kann es bei den Seitenzahlen zu erheblichen Schwankungen kommen.

Auch die Schriftgröße, der Schrifttyp und der Seitenrand spielen eine gewichtige Rolle. Präzisere Angeben lassen sich daher über das zählen der Wörter oder Zeichen erreichen. Als Richtwert kannst du davon ausgehen, dass auf einer Seite Fließtext etwa 300 Worte stehen.

Die Tatsache, dass die tatsächliche Länge deiner Bachelorarbeit in Seitenzahlen nur ungenau anzugeben ist, kann dir im Schreibprozess mehr Spielraum eröffnen. Trotz ihrer diesbezüglichen Unzulänglichkeit bleiben Seitenzahlen das beliebteste Maß des Umfanges von Arbeiten. Solltest du also zwei oder drei Seiten zu viel haben (zu viel Text ist meistens eher das Problem als zu wenig Text!), dann kannst du hier über die Änderung der Schriftart oder anderer formaler Parameter nachsteuern.


» Zu viel Text ist meistens eher das Problem, also zu wenig Text. «


Qualität vor Quantität?

Bei allem Nachdenken über Länge und Umfang deiner Bachelorarbeit darfst du niemals aus den Augen verlieren, dass es am Ende um die Qualität der Arbeit geht und nicht um die Quantität!

Du solltest der Devise folgen, so knapp und stringent wie möglich zu schreiben und Langatmigkeit bzw. übertrieben häufige Wiederholungen tunlichst vermeiden.

Mit deiner Bachelorarbeit stellst du unter Beweis, dass du eine Forschungsfrage zielgerichtet und kompakt bearbeiten kannst und deine Forschungsergebnisse anschließend systematisch und methodisch darzustellen vermagst. Du musst davon ausgehen, dass Professoren und Dozenten sofort merken, wenn du nur Seiten herausschinden möchtest, aber eigentlich nichts relevantes mehr zu sagen hast.

Wenn du genauer darüber nachdenkst kommst du vielleicht sogar zu dem Schluss, dass kürzere Arbeiten durchaus besser bewertet werden als längere. Es ist viel anspruchsvoller, Dinge prägnant zu erklären als ausschweifend, weil du dadurch deine Fähigkeit zum abstrakten Denken herausstellst.

Dass lange Arbeiten automatisch gut bzw. gehaltvoll wären, ist ein (leider) weit verbreitetes Vorurteil. Hinzukommt, dass Professoren nicht nur deine, sondern sehr viele schriftliche Arbeiten (Seminar- und Hausarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten, Dissertations- und Habilitationsschriften etc.) begutachten müssen. Sollten sie den Eindruck gewinnen, dass ein Student ihnen mit inhaltleerem Geschreibe die Zeit stiehlt, könnten sie besonders verärgert und streng reagieren. Sich kurz zu halten, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die du im Studium lernen kannst.


» Dass lange Arbeiten automatisch gut bzw. gehaltvoll wären, ist ein (leider) weit verbreitetes Vorurteil. «


Was ist bei der Länge zu beachten?

Wie bereits angedeutet sollte die Länge deiner Arbeit einerseits von der Art der Arbeit, andererseits von der Größe deines Forschungsvorhabens abhängen. Sie sollte diesen beiden Punkten angemessen sein.

Taktische Überlegungen à la „je mehr Seiten, desto besser“ solltest du gar nicht erst anstellen! Im Falle der Bachelorarbeit kannst du die Länge jedoch nicht beliebig an dein Forschungsvorhaben anpassen.

Da eine Seitenanzahl stets vorgegeben ist, musst du den Denkprozess umkehren und die Forschungsfrage gemäß der definierten Maximallänge wählen. Dies fällt vielen Studierenden schwer, weil sie nicht gut genug abschätzen können, wie viele Schriftseiten ein spezifisches Forschungsvorhaben eventuell erfordert.

Scheue dich daher nicht, mit deinem Betreuer darüber zu sprechen. Deine Dozenten sind im wissenschaftlichen Betrieb so erfahren, dass sie dir meistens auf den ersten Blick sagen können, ob du den Umfang deiner Bachelorarbeit korrekt taxiert hast.


Fazit

Viele Studenten gehen davon aus, dass sie ihre Bachelorarbeiten möglichst umfangreich schreiben müssen. Dies führt häufig zu inhaltsleeren und infolgedessen schlecht benoteten Abschlussarbeiten.

Aus diesem Grund solltest du stets der Maxime „Qualität > Quantität“ folgen und so knapp und eloquent wie möglich formulieren! Gedichte heißen Gedichte, weil sie viel Inhalt in wenig Text drängen, also verdichten. Genau das musst du ein Stück weit auch in deiner Bachelorarbeit versuchen. Es geht darum, Relevanzen von Irrelevanzen zu trennen. Wenn du dich daran hältst und nicht versuchst, deine Arbeit mit billigen Tricks zu verlängern, steht deinem erfolgreichen Abschluss nichts mehr im Weg!