Die Bachelorarbeit stellt den Abschluss deines Grundstudiums dar.

Hier stellst du unter Beweis, dass du während der letzten drei Jahre gelernt hast, wissenschaftlich zu Arbeiten und diese Kenntnisse nun eigenständig reproduzieren kannst. Das heißt, dass du sämtliche wissenschaftsrelevante Kompetenzen sowie dein Metawissen über den Forschungsprozess strukturiert einsetzen musst.

📌 Wichtig ist vor allem, dass du nicht demselben Vorurteil wie viele deiner Kommilitonen unterliegst, die glauben, das Schwierigste an einer Bachelorarbeit wäre das Schreiben. Je mehr du dich mit der Materie beschäftigst, desto klarer wird dir: Der größte Aufwand liegt in der Vorbereitung!


Der nachfolgende Ratgeber gibt dir einen Leitfaden über die wichtigsten Arbeitsschritte und Schreibstrategien an die Hand, sodass du einen guten Überblick über die Aufgabe bekommst, die nun vor dir liegt.



Themenauswahl

Um frühzeitig mit der Planung deiner Arbeit beginnen zu können, solltest du dich auf ein Thema festlegen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan!

Schon mit der Themenfindung zeigst du, ob in dir ein wahrer Wissenschaftler steckt. Gute Themen zu finden heißt, die Forschungslandschaft und Theorienlage deines Fachs weitgehend zu überblicken.

Außerdem musst du auch über aktuelles Wissen des Zeitgeschehens verfügen.

Anschließend gilt es, aus deinem Wunschthema mögliche Forschungsfragen abzuleiten. Auch hierbei musst du dein Können unter Beweis stellen.

Es ist deine Aufgabe, eine Problemstellung zu identifizieren, die es wert ist, beforscht zu werden.

Allerdings muss sich dein Vorhaben im Rahmen einer Bachelorarbeit auch realisieren lassen. Versuche also nicht das Rad neu zu erfinden, sondern strebe einen bescheidenen, aber qualitativ hochwertigen Beitrag zu deiner Fachdisziplin an!


Einen Betreuer finden

Wenn du dir mit deinem Thema und deiner Forschungsfrage relativ sicher bist, kannst du dich daran machen, einen Betreuer zu finden.

Du solltest dich hierbei zunächst mit den in Frage kommenden Lehrstuhlprofilen auseinandersetzen, damit du eine Vorstellung davon bekommst, welche Dozenten ihre Forschungsschwerpunkte in deinem Themenfeld platziert haben.

Als Betreuer kommen natürlich Professoren, aber auch akademische Beamte und sogar promovierende Lehrstuhlmitarbeiter in Frage.

Wenn du einen vielversprechenden Dozenten gefunden hast, solltest du per E-Mail, in der du dein Anliegen bündig schilderst, einen Sprechstundentermin vereinbaren.

Hier musst du dann überzeugen! Du solltest daher keinesfalls mit leeren Händen auftauchen, sondern ein fertiges Exposé in der Tasche haben. Für eine Bachelorarbeit kann dieses zwischen drei und fünf Seiten lang sein. Das Exposé enthält dein Oberthema,deine Forschungsfrage und Hypothesen, eine Skizze deines theoretischen Rahmens sowie eine vorläufige Literaturliste.

Der Dozent kann sich somit innerhalb weniger Minuten eine präzise Vorstellung deiner Planung verschaffen und auf dieser Grundlage die Entscheidung über ein mögliches Betreuungsverhältnis fällen. Du solltest daher viel Mühe und Sorgfalt auf die Erstellung deines Exposés verwenden.


Bachelorarbeit anmelden

Wenn du deinen Betreuer gefunden hast und dieser dein Thema bzw. dein Forschungsvorhaben abgesegnet hast, dann kannst du deine Bachelorarbeit anmelden.

Allerdings solltest du diesen Schritt nicht leichtfertig gehen! Eine Anmeldung kann nicht zurückgenommen werden. Du bist dann gezwungen, eine Bachelorarbeit einzureichen – andernfalls wird dir ein erster Fehlversuch eingetragen.

Melde die Arbeit also nur an, wenn du dir deiner Sache absolut sicher bist!

Zusätzlich musst du bedenken, dass die Anmeldung die Abgabefrist fixiert. Deine Prüfungsordnung gibt dir Auskunft darüber, wie viele Wochen dir zur Bearbeitung zur Verfügung stehen; die Frist beginnt mit der Anmeldung.

Allerdings sind viele Dozenten bereit, die Anmeldung etwas hinauszuschieben, sodass du bereits in dein Thema einsteigen und dir einen groben Überblick verschaffen kannst, bevor du dich final festlegst.

Die Anmeldung selbst musst du im Prüfungssekretariat vornehmen. Hierbei musst du ein entsprechendes Formular, welches neben deinen personenbezogenen Daten auch den Namen deines Betreuers sowie den finalen (!) Titel deiner Bachelorarbeit enthält, in zweifacher Ausführung einreichen.


Gliederung & Zeitplan

Hast du deine Arbeit angemeldet, solltest du sofort mit einer zügigen und strukturierten Arbeitsweise beginnen.

Dafür empfiehlt es sich, einen Zeitplan zu erstellen, in dem du dir wichtige Etappenziele vermerkst.

Auf diese Weise stellst du sicher, nicht in Zeitverzug zu geraten. Außerdem erfordert es ein guter Zeitplan, dass du dir gründliche Gedanken über die Gliederung deiner Arbeit machst. Nur so kannst du die Reihenfolge deiner Arbeitsschritte sinnvoll festlegen.

Du siehst also, dass ein Zeitplan mehrere Vorteile hat. Du solltest bei der Erstellung nicht nur den direkten Schaffens- bzw. Schreibprozess berücksichtigen, sondern alle mit dem Verfassen deiner Abschlussarbeit verbundenen Tätigkeiten berücksichtigen.

Diese bestehen ins Besondere in der Literaturrecherche, der Literaturbeschaffung, der Datenerhebung und -auswertung, eventuellen Forschungsreisen sowie dem gründlichen und mehrmaligen Korrekturlesen etc.


Methodik auswählen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Auswahl deiner forschungsstrategischen Vorgehensweise, mit anderen Worten: deiner präferierten Methode.

Hierbei musst du zuerst für dich klären, ob du eine theoretische oder eine empirische Arbeit anstrebst. Beides hat Vor- und Nachteile und ist mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen und Kompetenzanforderungen verbunden.

Es hängt von deinen fachlichen Vorlieben bzw. deinen Interessefeldern und Erkenntniswünschen ab, für welchen Typ du dich entscheidest. In der Regel handelt es sich bei Bachelorarbeiten jedoch um empirische Arbeiten. Hier steht dann auch schon die nächste Entscheidung an: qualitativ oder quantitativ?

Du musst dir bewusst sein, dass diese Aussage große methodologische Konsequenzen zeitigt.

Natürlich sollte deine Wahl hier vor allem an der Forschungsfrage orientiert sein, also der Frage folgen: Mit welcher Methode kannst du dich deiner Problemstellung am besten annähern? Gleichwohl muss die Entscheidung auch deine individuellen Stärken reflektieren. Es würde zum Beispiel nichts nützen, wenn du eine multifaktorielle lineare Regression anstrebst, ohne jemals gut in Statistik gewesen zu sein.


Literaturrecherche

Die Literaturrecherche stellt für viele Studierende ein Problem dar, weil es häufig entweder viel zu viele oder viel zu wenige Veröffentlichungen zum Thema gibt.

In beiden Fällen kannst du dir mit dem sogenannten „Schneeballprinzip“ weiterhelfen: Hierzu musst du nur eine gute Publikation, gleich ob Buch oder Aufsatz, aufspüren. Anschließend kannst du diese als Fixpunkt für weitere Recherchen ausnutzen, indem du dir das dort angegebene Literaturverzeichnis zunutze machst.

Dies funktioniert umso besser, je aktueller die Veröffentlichung ist: In der Regel stößt du auf diese Weise über kurz oder lang auf die zentralen und meist rezipierten Veröffentlichungen zu deinem Thema.

Eine andere Strategie besteht darin, ganz einfach deinen Betreuer um Rat zu bitten. Meistens helfen sie dir gern weiter, denn schließlich ist es ihre Aufgabe, dir mit ihrer Erfahrung und Expertise zur Seite zu stehen und dich im Arbeitsprozess zu unterstützen und anzuleiten.


Formatierung und Wissenschaftliches schreiben

Nachdem du die obenstehenden Punkte gemeistert hast, kannst du langsam mit dem tatsächlichen Schreiben beginnen (Du siehst also, wie viele Arbeitsschritte notwendig sind, um überhaupt an diesen Punkt zu gelangen!).

Beim Schreiben musst du natürlich die vom Lehrstuhl angegebenen, klassischen Formalia berücksichtigen, die du aus deinem bisherigen Studium ohnehin verinnerlicht hast.

Wichtig ist aber hauptsächlich, dass du einen wissenschaftlichen Schreibstil an den Tag legst. Das heißt, Fachtermini eloquent und fachlich korrekt einzusetzen, hinreichend abstrakt und strukturiert zu schreiben sowie deine Argumente systematisch zu entfalten.

Deine Gedanken müssen stets logisch aufeinander aufbauen; du musst also Gedankensprünge vermeiden. Ein weiterer Aspekt ist das organische Ineinandergreifen von Theorie und Empirie. Hier kommt es sozusagen auf dein Fingerspitzengefühl an. Bei alledem gibt es kein universales „Richtig“ oder „Falsch“, vielmehr geht es um Authentizität.


richtige Zitierweise

Das Zitieren ist zwar Teil der Formalia, stellt aber einen derart wichtigen Punkt dar, dass wir es lieber gesondert behandeln.

Du hast wahrscheinlich schon mitbekommen, dass es mehrere Zitierweisen gibt: die amerikanische Variante und der Oxford-Standard sind die bekanntesten.

Erfahrungsgemäß stellen dir die Dozenten frei, für welche Spielart du optierst. Allerdings musst du anschließend zu deiner Entscheidung stehen und stringent vorgehen; es ist auf keine Fall erlaubt, in derselben Arbeit verschiedene Zitierweisen zu verwenden!

Versichere dich außerdem, wirklich alle Publikationen und Autoren, welche du direkt oder indirekt zitierst, im Literaturverzeichnis anzugeben! Selbst kleine Fehler können dir hier im schlimmsten Fall als Plagiatsversuch ausgelegt werden.


Abgabe & Verteidigung

Der vorerst letzte Schritt besteht darin, deine Arbeit binden zu lassen und anschließend abzugeben. Das Binden selbst geht relativ schnell und wird in der Regel von mehreren Copyshops in der Nähe deiner Uni angeboten.

Du musst mindestens zwei Exemplare anfertigen lassen, von denen eins ans Prüfungssekretariat und eines an den Lehrstuhl geht.

Außerdem musst du deine Arbeit in elektronischer bzw. digitaler Form einreichen. Je nach Prüfungsordnung wird von dir erwartet, deine Arbeit nach der Abgabe mündlich verteidigen.

Sollte das in deinem Fall so sein, musst du dir keine Sorgen machen: wenn du deine Bachelorarbeit gewissenhaft geschrieben hast, kann dir bei der Verteidigung nichts geschehen! Sollte sie nicht so gut gelungen sein, hast du hier eine gute Chance auf eine Notenverbesserung!


Fazit

Das Verfassen deiner Bachelorarbeit ist ein vielgliedriger und hochkomplexer Arbeitsprozess, bei dem es Vieles zu Bedenken gilt! Gehe daher strukturiert und systematisch vor.

Überlege dir deine Arbeitsschritte sorgfältig und halte dich an die hier vorgestellten Hinweise – dann sollte deinem Erfolg und baldigen Abschluss nichts mehr im Wege stehen!